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Dr. Joachim F. Baumhauer

Der Slöjd-Gedanke -
und die Schwierigkeit, ihn ins Deutsche zu übertragen

 

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Der Originaltitel dieses Buches lautet "Slöjda i trä" - in etwa "Werken mit Holz", und wird vom Verfasser ganz bewußt gebraucht, weil sein Schaffen wesentlich vom Slöjd-Gedanken geprägt ist. Der schwedische bzw. skandinavische Begriff Slöjd beinhaltet dabei viel mehr als "Werken" oder "Kunsthandwerk ". Es gibt keine genaue deutsche Entsprechung für Slöjd, und es bedarf eines Blicks auf die spezifischen historischen Gegebenheiten, um das Wort und seine Bedeutung besser zu verstehen.

Slöjd meint die handwerkliche Arbeiten, aber auch die dabei notwendigen manuellen Fertigkeiten, überwiegend auf dem Gebiet des Holzschnitzens, daneben in der Bearbeitung von Horn und anderen Naturmaterialien, Metall und Textil. Diese Arbeiten wurden bis zu der Industrialisierung auf dem Land von den Angehörigen unterer Schichten zu Hause ausgeübt. Die Eltern unterwiesen ihre Kinder in der Kunst, nützliche Dinge für den Haushalt selbst anzufertigen, statt sie zu kaufen. überzählige Slöjd- Erzeugnisse wurden veräußert, um zusätzliches Geld ins Haus zu bringen. Im Gefolge der Industrialisierung, als fabrikmäßig gefertigte Güter leicht verfügbar wurden, nahmen die handwerklichen Fähigkeiten schnell ab. Zudem ging in den Augen der Kritiker das Gefühl für Formschönheit und Funktionalität verloren. Der finnische Pfarrer Uno Cygnaeus (1810-1888) führte, nachdem er in Deutschland reformpädagogische Impulse erhalten hatte, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Volksschulen seines Landes ein neues Fach ein, das sich ganz dem Slöjd gewidmet hatte. Er folgte darin einem älteren Konzept des Schweizers Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827), daß zur menschlichen Natur nicht nur Wissen und Denken gehört, sondern ebenso Können und Handeln. Die Gedanken von Cygnaeus entwickelte der Schwede Otto Salomon (1849-1907) zu einem handwerklichen Bildungskonzept auf systematischer pädagogischer Grundlage. Sein Slöjd wollte den Menschen ganzheitlich ansprechen; statt nur Faktenwissen anzuhäufen, sollte sich eine starke Persönlichkeit herausbilden, die selbständig in der Lage war, die richtigen Lösungen zu finden.

Was Slöjd erzielen sollte, faßte Salomon wie folgt zusammen:
- Sinn für Arbeit und ihre Wertschätzung im Allgemeinen
- Respekt vor harter, ehrlicher, körperlicher Arbeit
- Selbständigkeit und Selbstvertrauen
- Ordnung sowie präzises und sauberes Arbeiten
- ein Auge für Genauigkeit und Schönheit
- ein entwickelter Tastsinn und manuelle Fähigkeiten
- Aufmerksamkeit, Fleiß, Ausdauer und Geduld
- allgemeine körperliche Kräftigung
- Fertigkeit mit Werkzeugen
- präzise gearbeitete und nützliche Werkstücke

Salomons Schule wurde auch von zahlreichen ausländischen Schülern besucht, die sein handwerkliches Bildungskonzept in ihre Heimatländer mitnahmen. Auf diese Weise beeinflußte der Slöjd-Gedanke wiederum den Arbeits-Unterricht in Deutschland und der Schweiz, in Großbritannien und in den USA, wo er als "Sloyd" bekannt wurde. In Skandinavien ist Slöjd bis heute ein obligatorisches Unterrichtsfach, aufgeteilt in zwei Sparten: Holz- und Metall-Slöjd und Textil-Slöjd; der Unterricht ist jeweils für beide Geschlechter verbindlich. In Schweden setzt sich seit 1899 auch der "Svenska Hemslöjdsförenigarnas Riksförbund", der Dachverband lokaler mit "Volkskunst" befaßter Vereine, erfolgreich für den Erhalt handwerklicher Traditionen ein. Die Organisation vereint Hobbywerker und Profis, sie beinhaltet Verkaufsläden und eine Zeitschrift. Zudem stehen - staatlich unterstützt - jeder schwedischen Provinz wenigstens zwei Hemslöjd- Berater zur Verfügung, die Interessenten in den unterschiedlichen Techniken unterweisen: einer für Textilien und einer für "harte" Materialen. Der Autor ist selbst stark in dieser Handwerksbewegung engagiert.

Aus: Schnitzen mit Jögge Sundqvist,
Verlag Th. Schäfer, Hannover 2005, 3-87870-588-3
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Verlag und Autor danken Hans Erik Nilsson, Hen�n, Schweden für seine Mithilfe.

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